Rede zum Neujahrsempfang 2016

Man­fred Jost, Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der

 

- es gilt das gespro­che­ne Wort -

 

Mei­ne sehr geehr­ten Damen und Her­ren,
Lie­be Freun­din­nen und Freun­de,
ver­ehr­te Gäs­te,

auch ich darf Sie ganz herz­lich zu unse­rem Emp­fang begrü­ßen. Wir freu­en uns sehr, dass Sie so zahl­reich erschie­nen sind.
Das Jahr 2015 hät­ten wir uns alle fried­li­cher gewünscht. Die Anschlä­ge von Pa-ris – erst im Janu­ar auf die Redak­ti­on von Char­lie Heb­do und dann im Novem-ber auf die vie­len Men­schen in Bars und Kon­zert­sä­len – sind schreck­lich und stim­men uns zutiefst trau­rig. Sie zei­gen uns, wie nah der Ter­ror auch in Euro­pa ist. Die jüngs­ten Anschlä­ge von Istan­bul und Dja­kar­ta las­sen befürch­ten, dass Gewalt und Ter­ror uns noch lan­ge Zeit beglei­ten wer­den. Was für ein Graus für die Men­schen, die vor eben sol­chem Ter­ror und Bür­ger­krieg in Syri­en und an-ders­wo zu uns nach Deutsch­land flie­hen. Die­sem Ter­ror kön­nen wir nur ge-mein­sam ent­ge­gen­tre­ten und uns, ob Ein­hei­mi­sche oder Flücht­lin­ge, für ein fried­vol­les und welt­of­fe­nes Mit­ein­an­der ein­set­zen. Dass die vie­len tau­send Men­schen, die bei uns Zuflucht suchen, nicht nur Her­aus­for­de­rung, son­dern auch Chan­ce sind, dazu spä­ter mehr.
Ich freue mich ganz beson­ders, dass wir nach dem Erfolg im letz­ten Jahr auch in die­sem Jahr wie­der einen gemein­sa­men Neu­jahrs­emp­fang von Grü­ner Stadt-rats­frak­ti­on und Grü­ner Regio­nal­ver­bands­frak­ti­on ver­an­stal­ten kön­nen. Es ist mir und mei­ner Frak­ti­on ein beson­de­res Anlie­gen, gemein­sam mit den Kol­le-gin­nen und Kol­le­gen der Grü­nen Frak­ti­on im Rat­haus für ein Grü­ne­res Saar­brü-cken, für eine Grü­ne­re Regi­on ein­zu­tre­ten.
Vor einem Jahr habe ich an die­ser Stel­le bereits über das Kli­ma­schutz­kon­zept des Regio­nal­ver­ban­des gespro­chen. Trau­rig, aber wahr ist, dass ich mei­ne Wor-te von damals fast genau­so wie­der­ho­len könn­te, denn es tut sich zu wenig.
Noch immer appel­lie­ren wir, die Maß­nah­men aus dem Kon­zept auch zügig und ent­schlos­sen umzu­set­zen: für Ener­gie­ein­spa­rung, Ener­gie­ef­fi­zi­enz und den Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en! Denn Inves­ti­tio­nen in Kli­ma­schutz sind nicht nur Inves­ti­tio­nen in die Zukunft unse­rer Regi­on, Ener­gie­ein­spa­rung und Ener­gie­ef­fi­zi­enz, ob nun beim Ver­kehr oder bei Lie­gen­schaf­ten, tra­gen mit­tel- bis lang­fris­tig zu Ein­spa­run­gen bei, die haus­halts­wirk­sam sind. Wir Grü­ne kön-nen hier nur ein­dring­lich dazu auf­ru­fen, jede Mög­lich­keit der Ein­spa­rung ange-sichts klam­mer Kas­sen auch anzu­neh­men!

Trau­rig genug ist, dass die Umset­zung der Kli­ma­schutz­maß­nah­men im Regio-nal­ver­band nicht vor­an­kommt. Schlim­mer aber ist es, dass mit der Revi­si­on der Wind­ener­gie­pla­nung auch noch dafür gesorgt wird, dass die Zie­le aus dem Kli­ma­schutz­kon­zept erst gar nicht mehr erreicht wer­den kön­nen. Das Wind-kraft­po­ten­ti­al bei 650 m Abstands­flä­che war im Kli­ma­schutz­kon­zept fest ein-kal­ku­liert – durch die Erwei­te­rung des Vor­sor­ge­ab­stan­des auf 800 m wur­de es nun um mehr als die Hälf­te redu­ziert. Wie der Regio­nal­ver­band sei­ne eige­nen Vor­ga­ben sowie die der Lan­des- und Bun­des­re­gie­rung bei redu­zier­ter Wind-ener­gie­er­zeu­gung noch errei­chen will, ist aller­dings noch völ­lig offen. Einen Plan B gibt es immer noch nicht. Neben den nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen auf den Kli­ma­schutz im Regio­nal­ver­band wur­de mit der Erwei­te­rung des Vor­sor­ge­ab-stan­des zudem nicht nur die Rechts­si­cher­heit der Pla­nung redu­ziert, son­dern ganz wesent­lich auch die regio­na­le Wert­schöp­fung, die klam­men Kom­mu­nen drin­gend benö­tig­te Ein­nah­men gesi­chert hät­te. Vor­sich­ti­ge Schät­zun­gen bezif-fern die durch den Weg­fall der Anla­gen ent­gan­ge­ne Wert­schöp­fung auf 54 Mio. €. Dass die Lan­des­haupt­stadt auf Drän­gen unse­rer Grü­nen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen im Stadt­rat gegen die Erwei­te­rung des Abstan­des gestimmt hat­te, begrü­ßen wir aus­drück­lich. Gereicht hat es lei­der nicht, wenn Regio­nal­ver­bands­di­rek­tor Gil­lo auch gleich meh­re­re Abstim­mun­gen durch­füh­ren muss­te, bis schließ­lich das gewünsch­te Ergeb­nis – die Erwei­te­rung des Abstan­des – vor­lag. Das nur als Rand­no­tiz zu einer chao­ti­schen und zukunfts­ver­ges­se­nen Kli­ma­schutz­po­li­tik im Regio­nal­ver­band.
Mei­ne Damen und Her­ren, sei­en Sie ver­si­chert, dass wir Grü­ne wei­ter auf die Umset­zung des Kli­ma­schutz­kon­zep­tes hier im Regio­nal­ver­band pochen und die­se kri­tisch und kon­struk­tiv beglei­ten wer­den.
Las­sen Sie mich nun kurz zu einem ande­ren – nicht min­der wich­ti­gen – The­ma kom­men: Bil­dung. Der Regio­nal­ver­band als größ­ter Schul­trä­ger im Land trägt Ver­ant­wor­tung für rund 32.000 Schü­le­rin­nen und Schü­ler in ver­schie­de­nen Schul­for­men. Ziel kom­mu­na­ler Bil­dungs­po­li­tik muss es sein, den jun­gen Men-schen die bes­te Umge­bung zum Ler­nen zu bie­ten. Dazu gehört eine moder­ne Aus­stat­tung und räum­li­che Gestal­tung der Schu­len eben­so wie das päd­ago­gi-sche Umfeld – von der Ein­schu­lung bis zum Schul­ab­schluss. In Sachen Schul­ab-schluss kam bis­her die Ober­stu­fen­pla­nung der Gemein­schafts­schu­len viel zu kurz. Wäh­rend der Bil­dungs­mi­nis­ter alle Betei­lig­ten wei­ter hin­hält und die Ober­stu­fen­stand­or­te noch immer nicht bekannt gege­ben hat, hat es der Regio-nal­ver­band ver­säumt, mit­hil­fe einer Schul­ent­wick­lungs­pla­nung selbst Prä­fe­ren-zen für die Ober­stu­fen­stand­or­te zu benen­nen. Ande­re Land­krei­se sind da fort-schritt­li­cher! Für uns muss es dar­um gehen, den Schü­le­rin­nen und Schü­lern, ihren Eltern und auch den Schu­len end­lich Gewiss­heit und Pla­nungs­si­cher­heit zu geben.
Pla­nungs­si­cher­heit haben wir an ande­rer Stel­le, näm­lich zu Beginn des Bil-dungs­we­ges, mit dem Kita-Pla­ner nun fast erreicht. Wenn die Eltern ihre Kin­der ab die­sem Jahr über den Kita-Pla­ner anmel­den, wird der bis­he­ri­ge Anmel­de- und War­te­lis­ten­zir­kus end­lich been­det und auch die Pla­nungs­ar­beit des Ju-gend­am­tes ver­ein­facht. Wir freu­en uns sehr, dass wir im ver­gan­ge­nen und auch im neu­en Jahr die Umset­zung die­ser Grü­nen For­de­rung beglei­ten konn-ten.

Mei­ne sehr ver­ehr­ten Damen und Her­ren,
las­sen Sie auch mich kurz zum The­ma Flücht­lin­ge kom­men, denn das wird 2016 auch im Regio­nal­ver­band das beherr­schen­de The­ma sein: Wir Grü­ne betrach-ten Zuwan­de­rung als Chan­ce, ins­be­son­de­re vor dem Hin­ter­grund des Fach­kräf-teman­gels und des demo­gra­phi­schen Wan­dels. Neben drän­gen­den Fra­gen der Unter­brin­gung und Ver­sor­gung kommt es auf die Wei­chen­stel­lun­gen für die Zukunft an. Wir müs­sen früh­zei­tig die Basis für gelin­gen­de Inte­gra­ti­on schaf­fen, und zwar von Kin­des­bei­nen an. Denn nur durch ech­te Inte­gra­ti­on schaf­fen wir eine Grund­la­ge für künf­ti­gen Wohl­stand. Dafür braucht es Struk­tu­ren, Stra­te-gien und die not­wen­di­gen finan­zi­el­len Mit­tel. Dabei sind alle gefragt und ge-for­dert: Poli­tik, Wirt­schaft, Zivil­ge­sell­schaft und selbst­ver­ständ­lich die Men-schen, die bei uns Zuflucht suchen und bei uns blei­ben möch­ten.
Auf Regio­nal­ver­bands­ebe­ne müs­sen die Flücht­lings­kin­der im Rah­men der Pla-nun­gen zum Kita-Aus­bau, der Schul­ent­wick­lungs­pla­nung und der Raum­pro-gram­me ent­spre­chen­de Berück­sich­ti­gung fin­den. Fer­ner muss der Regio­nal­ver-band sich dafür ein­set­zen, dass auch jugend­li­che Flücht­lin­ge, die das 18. Le-bens­jahr bereits voll­endet haben, die Schu­le besu­chen dür­fen. Zur gelin­gen­den Inte­gra­ti­on gehört eben­falls der Aus­bau der Sprach­för­de­rung und gemein­sam mit dem Job­cen­ter ein Aus­bau der berufs­vor­be­rei­ten­den Ange­bo­te.
Dar­über hin­aus wird sich die Grü­ne Frak­ti­on in 2016 mit Grü­nen Ide­en in der Regio­nal­ver­samm­lung ein­brin­gen:
- Wir wer­den uns wei­ter vehe­ment für den Kli­ma­schutz ein­set­zen, für den Aus­bau der Erneu­er­ba­ren Ener­gi­en, für Ener­gie­ein­spa­rung und Ener­gie-effi­zi­enz. Hier ist beim Regio­nal­ver­band noch viel Luft nach oben und an-gesichts des hor­ren­den – wei­ter stei­gen­den – Inves­ti­ti­ons­staus an regio-nal­ver­bands­ei­ge­nen Gebäu­den und spe­zi­ell den Schu­len sind Inves­ti­tio-nen in ener­ge­ti­sche Sanie­rung bit­ter nötig
- Sicher­lich müs­sen wir uns in den kom­men­den Jah­ren auch dar­über un-ter­hal­ten wie wir den ÖPNV im Regio­nal­ver­band orga­ni­sie­ren. Abge­se-hen davon, dass ich per­sön­lich der Ansicht bin, dass der ÖPNV im Saar-land mit einem ein­zi­gen Auf­ga­ben­trä­ger zu orga­ni­sie­ren ist, kann es nicht sein, dass im Regio­nal­ver­band ins­ge­samt drei Auf­ga­ben­trä­ger die­se „Ar-beit“ stem­men. Auch hier besteht drin­gen­der Hand­lungs­be­darf und es gilt intel­li­gent zu spa­ren, wie wir es im Übri­gen bei der auf­grund unse­rer Initia­ti­ve erfolg­ten Zusam­men­le­gung der Waf­fen­be­hör­den erreicht ha-ben.
- Mei­ne Frak­ti­on und ich wol­len die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger stär­ker an poli­ti­schen Ent­schei­dungs­pro­zes­sen hier im Regio­nal­ver­band teil­ha­ben zu las­sen. In die­sem Sin­ne wer­den wir uns für ver­stärk­te Bür­ger­be­tei­li­gung und für Trans­pa­renz ein­set­zen.

Mei­ne Damen und Her­ren,
Bedan­ken möch­te ich mich an die­ser Stel­le bei den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit-arbei­tern der Ver­wal­tung für die gute Zusam­men­ar­beit. Mein herz­li­cher Dank für die Unter­stüt­zung gilt auch den Mit­glie­dern mei­ner Frak­ti­on: Anne-Caro­lin Lam­bert, Patrick Gins­bach und Ste­fan Frantz und mei­ner Frak­ti­ons­ge­schäfts-füh­re­rin Anna Dorf­ner. Ich dan­ke ins­be­son­de­re auch den Kol­le­gin­nen und Kol-legen der Grü­nen Stadt­rats­frak­ti­on, Simo­ne Wied und Timo Leh­ber­ger, sowie den Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern der bei­den Geschäfts­stel­len für die tat-kräf­ti­ge Unter­stüt­zung bei der Vor­be­rei­tung die­ses Neu­jahrs­emp­fangs.
Mei­ne Damen und Her­ren, ich dan­ke für Ihre Auf­merk­sam­keit und wün­sche Ihnen allen ein gutes, ein gesun­des, ein glück­li­ches und fried­li­ches Jahr 2016.

 

 

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